Frauen berichten

Auszüge aus dem Buch 'Traurig und befreit zugleich'

Psychische Folgen des Schwangerschaftsabbruchs
rororo Sachbuch: November 2015 von Marina Knopf, Elfi Mayer, Elsbeth Meyer


traurig-und-befreit-zugleich.jpg Sad and released at the same time : Psychological consequences of abortion Marlene ist 30 Jahre alt und Taxifahrerin. Sie lebt in einer Wohngemeinschaft, Ihr Schwangerschaftsabbruch liegt vier Wochen zurück. Für sie war die Entscheidung gleich klar.

«Ich habe irgendwann festgestellt, daß ich schwanger bin. Ich war beim Arzt und habe es mir bestätigen lassen. Ich habe mir dann gleich einen Termin für die Abtreibung im Familienplanungszentrum besorgt. Als ich den Termin hatte, war ich glücklich und befreit. Ich bin schwanger geworden, weil ich die Pille nicht mehr nehmen will. Wir müssen uns seitdem mit Präservativen behelfen oder aufpassen oder sonst etwas. Mein Zyklus war durcheinander gekommen, weil ich im Urlaub war und eine sehr lange Flugreise hatte. Da ist es halt passiert. Es war auch Dummheit. Wir haben nicht richtig aufgepaßt. Ich weiß schon lange, daß ich keine Kinder haben will. Ich finde es nicht naturgegeben, daß wir als Frauen ein Kind haben müssen.

«Es hat mich enorm viel Kraft gekostet»

Sonja ist 35 Jahre alt und als Angestellte halbtags beschäftigt. Sie ist verheiratet und hat einen zwölfjährigen Sohn. Ihr Schwangerschaftsabbruch war vor sechs Wochen, und die psychische Verarbeitung des Erlebten beschäftigt sie noch sehr.

«Wir hatten mit der Temperaturmethode und Kondomen verhütet, und deshalb weiß ich auch nicht, wieso ich schwanger geworden bin. Als ich den Test gemacht hatte, fühlte ich mich in der Klemme. Im Hinterkopf habe ich aber gedacht, wenn mein Mann sich freuen würde, dann würde ich mich auch freuen. Mir war aber klar, daß er das nicht tun würde. Aber es hätte meine Entscheidung stark beeinflußt. Ich hatte dann das Gefühl gehabt, nicht so allein damit zu sein.

Ich habe dann gemerkt, daß es mir peinlich war, schwanger zu sein. Als ob ich dafür allein verantwortlich wäre. Ich habe dafür genausoviel oder sowenig getan wie mein Mann, und trotzdem war es mir peinlich. Ich habe ganz stark gemerkt, daß ich mir wünsche, daß mit dem Thema Abtreibung anders umgegangen wird. Nicht so theoretisch und nicht so moralisch."

«Es war ein Wendepunkt in meinem Leben»

Christiane ist 26 Jahre alt, Studentin und lebt alleine. Ihr Schwangerschaftsabbruch liegt ein Jahr zurück. Vor dem Schwangerschaftsabbruch hatte ich die Befürchtung, daß ich vielleicht danach Depressionen bekomme. Man hört ja soviel davon. Meine psychische Lage war nicht allzu stabil. Ich habe hinterher bemerkt, daß es einfach nicht zutraf. Es ist nicht zwangsläufig so. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, ein Kind wirklich so gut zu erziehen, wie ich es mir wünsche. Gerade durch meine eigene Erfahrung, nicht erwünscht zu sein, war ich bestärkt in meiner Entscheidung. Es ist richtiger, ein Kind nur dann zu bekommen, wenn man es wirklich möchte. Was mir auf dem Herzen liegt und was ich sehr schlimm finde, ist, daß soviel Irrtümer über psychische Folgen verbreitet sind. Daß nicht gefragt wird, haben mögliche Folgen wirklich etwas mit dem Abbruch zu tun oder nicht viel mehr mit der Situation, in der die Frau lebt. Daß sie vielleicht allein ist oder so. Wenn eine Frau beim Abbruch ganz schlecht behandelt wird, geht es ihr danach sicher schlecht. Es ärgert mich, daß da soviel vermischt wird. »

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