Dr. Christian Fiala

 

christian_fiala_04.jpg Array "Als Männer sind wir fundamental von der Gesundheit und dem Überleben von Frauen abhängig. Wir sollten uns deshalb für Rahmenbedingungen einsetzen, unter denen Frauen, die ja durch unser Zutun schwanger wurden, eine ungewollte Schwangerschaft bestmöglichst und ohne unnötiges Leid beenden können."

 

 

Seit mehr als zehn Jahren ist der ärztliche Leiter des Gynmed-Ambulatoriums in Wien auf die Betreuung und medizinische Behandlung von Frauen mit einer ungewollten Schwangerschaft spezialisiert. Das Wort „Abtreibung“ nimmt Fiala nie in den Mund. Die landläufige Bezeichnung hält er für „unangebracht, überheblich und fehl am Platz. Weil es nicht darum gehen kann, Frauen mit einer ungewollten Schwangerschaft zu beurteilen oder zu verurteilen.“ Die Verbreitung dieser Erkenntnis ist ihm gleichsam zur Mission geworden.

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung, u.a. in Ländern in denen der Abbruch verboten ist, kommt er zu der Schlussfolgerung: "Mit jedem Schwangerschaftsabbruch rette ich das Leben einer Frau.“ Unzählige Male hat er erleben müssen, wie Frauen schwerste Komplikationen erlitten oder sogar gestorben sind, wenn sie keinen Zugang zu einem sicheren Abbruch hatten.

Und zu der Diskussion über den Beginn des Lebens meint er: "Natürlich, Ei- und Samenzellen sind schon Leben. Aber eben auch nicht mehr. In der öffentlichen Diskussion und vor allem von religiösen Kreisen werden Begriffe häufig falsch verwendet. Ein Embryo ist objektiv gesehen ein Embryo und ein Kind ist ein Kind. In Analogie käme niemand auf die Idee, ein Kind als jungen Greis zu bezeichnen, und genauso ist ein Embryo auch kein Kind.“

1959 im schwäbischen Stuttgart geboren, studierte Fiala an der Universität Innsbruck Medizin. Bereits während seines Studiums veröffentlichte er eine Verhütungsbroschüre im Eigenverlag, „weil Verhütung und Schwangerschaftsabbruch auch im Lehrplan tabuisiert waren“.

Die Entscheidung, Facharzt für Gynäkologie zu werden, fällt er erst während der Ausbildung zum Allgemeinmediziner. 1995 arbeitet Fiala ein Jahr in Frankreich, wo er erstmals mit dem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch in Berührung kommt – und diesen auch anwendet. Fiala lernt und arbeitet überall auf der Welt: Thailand, Schweden und Afrika. „Meine Arbeit dort und in Asien, wo der Abbruch verboten ist, hat mich nachhaltig berührt. Dort ist es an der Tagesordnung, dass Frauen elendiglich an den Folgen eines illegalen Abbruchs sterben. Die Zustände und Konsequenzen aus einem illegalen Abbruch sind einfach nicht beschreibbar, und am ehesten noch als das, was häufig als ‚Krieg gegen Frauen‘ bezeichnet wird.“

Heute hält Fiala Vorträge auf der ganzen Welt und veröffentlicht zahlreiche Bücher zum Thema. Er war viele Jahre Vorsitzender der „Internationalen Vereinigung von Fachkräften und Verbänden zu Schwangerschaftsabbruch und Kontrazeption“ (FIAPAC) und ist Mitglied bei verschiedenen anderen Verbänden, die sich mit Schwangerschaftsabbruch und Verhütung auseinander setzen. 2005 schrieb er seine Dissertation an der renommierten Stockholmer Karolinska-Universitätsklinik (für Mediziner ist eine Dissertation eine Zusatzqualifikation, die als anerkannter Beweis dafür gilt, dass der Arzt wissenschaftliche Studien betreiben darf und kann. Er kann sich dann Dr. Dr. nennen). Titel: „Improving medical abortion“.

Mit seinem jüngsten Werk, dem Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch www.muvs.org, hat Fiala eines der ungewöhnlichsten Museen der Welt begründet. In vier Zimmern wird gezeigt, wie der Kampf um die Verhütung in der Geschichte der Menschheit gelaufen ist. In den in Weiß und Zartrosa gehaltenen Regalen im Stil der Siebziger findet sich – geordnet nach den Themenkreisen Verhütung, Schwangerschaftstest und -abbruch: von den ersten Kondomen aus tierischen Membranen über die erste Antibabypille „Enovid“ bis zu Spiralen in allen möglichen und unmöglichen Formen. Irrigatoren genannte Instrumente zur Scheidenspülung und ein Lippenstift, der angeblich die Antibabypille ersetzt. Stricknadeln und Fahrradspeichen, die noch in den Sechzigerjahren mangels geeigneter Instrumente zum Schwangerschaftsabbruch verwendet wurden.

„Ich möchte dazu beitragen, dass das, was bis vor 35 Jahren 'Normalität' war, nie mehr passiert. Mit Abtreibung verbundene Todesfälle sind keine Naturkatastrophe, sondern die logische Konsequenz von politischer Ignoranz“, sagt Fiala.

Auzug aus Datum Artikel August/06, Volltext :

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